Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS)

Nicht nur Folge von Covid-19 

Das Mastzellaktivierungssyndrom auch MCAS abgekürzt, ist eine dauerhafte Überreaktion der Mastzellen, die vermehrt Botenstoffe ausschütten, darunter das Gewebshormon Histamin.
Bei bis zu 17 Prozent der Bevölkerung kommt es laut einer Studie aus dem Jahr 2014 zum Thema MCAS aufgrund genetischer Veränderungen im Laufe des Lebens zu einer krankhaften Überreaktion der Mastzellen. Diese Prozentzahl dürfte sich seit der Verbreitung des Corna-Viraus deutlich erhöht haben. Ein Zusammenhang mit der Longcovid-Problematik ist mittlerweile medizinisch belegt.
Mastzellen befinden sich überall im Körper und in allen Organen und enthalten neben 200 anderen bioaktiven Stoffen vor allem Histamin. Werden die Mastzellen verstärkt aktiviert, kommt es zu einer Vielzahl von Symptomen. Diese können organbezogen sein und sich in Kopfschmerzen, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Quaddelbildung, Nervorsität, Hitzewallugen, Lymphknotenschwellungen, Durchfall u. v. m. äußern. Bezogen auf den Gesamtorganismus sind Symptome wie Müdigkeit, Leistungsminderung, Gewichtsverlust, erhöhte Körpertemperatur, Infektanfälligkeit, hoher Blutdruck und Blutdruckabfall möglich.
Bis hin zum allergischen Schock!

Einteilen lässt sich eine MCAS in fünf verschiedene Erscheinungsformen:

-          Reizdarmsymptomatik
-          Fibromyalgiesymptomatik 
-          Kardialer (Herz-) Erscheinungstyp
-          ZNS (Nervensystem)-Typ
-          „idiopathische“ Anaphylaxie


Charakteristisch ist das Auftreten der Symptome in Form von Attacken oder Schüben.

Was sind Mastzellen?
Mastzellen gehören zu unserem Immunsystem, also unserem Abwehrsystem. Sie werden normalerweise vermehrt bei Infekten und Entzündungen aktiv und schütten ihre Botenstoffe aus, allen voran Histamin.

Meiner Meinung nach geht die Aktivierung der Mastzellen heutzutage über dieses Maß weit hinaus. Durch unsere belastete Umwelt mit Stoffen wie Abgase, Pestizide, Nahrungsmittelzusätze, Kosmetika, UV-Strahlung u. v. m., werden Mastzellen heutzutage zwangsläufig rascher und stärker aktiviert, als noch vor 30 bis 40 Jahren.
Probleme entstehen dann, wenn die Toleranz des Immunsystems gegenüber solcher Umweltschadstoffe irgendwann abnimmt. Man muss bedenken, dass wir täglich vielen schädlichen Umweltstoffen konfrontiert werden. Alkohol, Medikamente, Fehlregulationen des Immunsystems (Allergien) sind weitere auslösende Faktoren.

Ein großes Problem stellen chronische parasitäre Belastungen des Organismus dar, wie z. B. Belastungen mit Borrelien, Chlamydien oder Mykoplasmen. Diese sind verantwortlich für eine erhöhte Immunantwort und einer damit verbundenen erhöhten Histaminfreisetzung. Auch eine bestimmte Bakterienart in unserem Darm, produziert Histamin. Wenn Klebsiellen in unserer Darmflora eine größere Rolle spielen, als normalerweise dies der Fall ist, dann findet auch hier eine vermehrte Histaminbildung statt.

Der von den Mastzellen ausgeschüttete Botenstoff Histamin verursacht Entzündungsreaktionen, die mit vermehrten Sekretfluss einhergehen, was sich in Schnupfen, Augentränen und/oder Verschleimung der Bronchien äußert. Auch Schmerzen können auftreten, Juckreiz und viele weitere unangenehme Symptome. Ebenfalls können komplexe psychosomatische Störungsbilder erzeugt werden, die durch eine alleinige Psychotherapie oder durch die Gabe von Psychopharmaka nicht zu heilen sind.

Es entsteht ein regelrechter Prozess, der sogar irgendwann zu einer genetischen Veränderung der Mastzellen führen kann.

Wichtig sind hier ebenso virale Infektionen als auslösende Faktoren zu nennen. Man denke an das Coronavirus. Hier weise ich auf die Problematik bei Longcovid-Patienten hin. Dabei spielen Immunkomplexe (Antigen-Antikörper-Komplexe) eine weitere Rolle. Durch Kontakt mit Antigen-Antikörper-Komplexen werden die Mastzellen zur Ausschleusung ihrer Granula angeregt und somit wird u. a. vermehrt Histamin ausgeschüttet.

Was mir auffällt ist, dass in Medien und wissenschaftlichen Berichten aufgeführten Beispielfällen, die wir heute aufgrund der vielen Longcovid-Patienten, vermehrt finden, der Bezug zur Rolle des Darms nicht berücksichtigt wird.
 
Welche Rolle kann dem Darm bei einem MCAS zugeschrieben werden?
Histaminprobleme können bei der heutzutage häufig vorkommenden Erkrankung des Darms, des sogenannten „Leaky Gut“ (durchlässiger Darm) von chronischen immunologischen Nahrungsmittelreaktionen herführen. Die dabei entstehenden Reaktionen auf Bakterientoxine kann zu Aktivierung der Mastzellen und damit zur vermehrten Histaminfreisetzung führen. Isst man Nahrungsmittel, gegen deren Bestandteile man Intoleranzen entwickelt hat, werden die Mastzellen geradezu getriggert. Denn nicht nur die Mastzellen, die sich in der Darmschleimhaut befinden, reagieren mit einer vermehrten Histaminausschüttung, sondern überall im Körper können Mastzellen aktiviert werden.
Unverträglichkeiten lösen im gesamten Körper Entzündungsreaktionen aus.
 

Eine Testung auf Nahrungmittelunverträglichkeiten und auf eine verzögerte IgG-Nahrungsmittelintoleranz ist meines Erachtens deshalb unabdingbar.

Außerdem werden die Mastzellen zusätzlich durch eine gestörte Darmflora getriggert, denn dabei kommt es zur vermehrten Bildung histaminbildender Bakterien, welche die Symptomatik noch zusätzlich verschlimmern. Deshalb sollte auch immer das Darmmikrobiom überprüft werden.

Der Daminoxidasemangel (DAO-Mangel) ist oft eine Folge eines durchlässigen Darms, dem sogenannten "Leaky Gut“. Das Enzym DAO ist für den Histaminabbau verantwortlich. Die Aktivität des Enzyms lässt sich einfach über eine Blutlaboruntersuchung testen. Ebenfalls sinnvoll ist die Testung der Histamin-Abbau-Kapazität. Dieser Wert gibt Aufschluss, ob der Betroffene überhaupt noch in der Lage ist, Histamin abzubauen.

Auch Schwermetallbelastungen führen zu einer Fehlfunktion der Mastzellen. Schwermetalle wie Aluminium, Quecksilber, Blei sind hier zu nennen. Ebenso können virale und chronische bakterielle Infektionen wie die beispielsweise eine Borreliose die Mastzellen aktivieren. 
 
 
Therapie:
Eine konsequente Ernährungsanpassung ist aus meiner Sicht der erste richtige Schritt in Richtung Mastzellenberuhigung. Denn die Therapie beginnt im Darm. Nichts wirkt dauerhaft, wenn im Körper ständig durch nicht richtig verdaute Nahrungsbestandteile die Mastzellen getriggert werden.

Tests und Ausleitungen von Schwermetallen sind weitere Optionen bzw. Maßnahmen. Krankhafte Gefäßveränderungen müssen als auslösende Faktoren therapiert werden. Chronische Infektionen sind zu inaktivieren bzw. auszuheilen.
Positiv wirken sich Vitamin C Hochdosis-Infusionen aus, die Gabe von Daosin, histamin- und allergenarme Ernährung. Außerdem hemmen Quercetin und Extrakte aus grünem Tee Histamin und wirken der Aktivierung der Mastzellen entgegen. Nicht zu vergessen ist Vitamin B6 als äußerst wichtiger Bestandteil der Therapie.
All diese Maßnahmen sind jedoch nur dann erfolgversprechend, wenn sie in ein ganzheitliches Therapieschema integriert werden.  Denn Menschen mit genetischen Enzymmangel, Entgiftungsstörungen der Leber, schlechter Methylierung, eingeschränkter Nierenfunktion, oxidativen und/oder nitrosativen Stress sind sehr anfällig für die Entwicklung chronischer Erkrankungen und somit für genetische Veränderungen der Mastzellen mit der Folge einer Überaktivierung.  Diese Aspekte müssen deshalb unbedingt berücksichtigt werden.

Ist eine Heilung möglich?
 
Je nachdem, wie weit der Mastzellenaktivierungsprozess bereits vorangeschritten ist und welche auslösenden bzw. ursächlichen Faktoren zugrunde liegen, können sich die Mastzellen vollständig beruhigen. Wichtig ist es, die Histaminfreisetzung und Histaminwirkung effektiv zu stoppen. Dies ist m. E. jedoch nur mit einem ganzheitlichen Therapieansatz möglich.